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Rote Roben mit Spickzettel

An einem Montag Nachmittag Anfang März fand sich kurz vor 15.00 Uhr, genau nach Zeitplan, eine Gruppe von gegenwärtigen Gastschülern und gestandenen deutschen Returnees an der Schranke vor der Autozufahrt zum Gebäude des Bundesverfassungsgerichts ein. Einer der dort diensttuenden Polizisten schickte uns weiter zum eigentlichen Eingang des gläsernen Gebäudes, wo wir freundlichst von weiteren Sicherheitskräften zu einer Sicherheitskontrolle, ganz ähnlich wie im Flughafen, in Empfang genommen wurden . Im Foyer dann kam uns gleich darauf der Betreuer unserer Besuchergruppe entgegen: Herr Prof. Dr. Siegfried Broß, Richter am Bundesverfassungsgericht im 2. Senat. Im sog. Plenarsaal mit dem wichtigen Schild „Bundesregierung“ rollte er vor der Kulisse der großformatigen Portraits der ehemaligen Verfassungsgerichtspräsidenten und bisher einer Präsidentin Rolle und Funktion dieses Gerichtes innerhalb des deutschen Staatswesens auf, plauderte interessant über seinen eigenen beruflichen Werdegang und stellte Bezüge zwischen politischem Tagesgeschehen und anstehenden juristischen Entscheidungen her. Auf Fragen aus der Gruppe, die in superbequemen Sesseln Platz genommen hatte, ging er mit Freude ein, und derer gab es einige. Seine juristisch geprägte Ausdrucksweise machte es gerade unseren Austauschschülern sicher zum Teil recht schwer, seinen Gedanken zu folgen. Staatsform und jeweilige Verfassung ihrer Heimatländer – Ungarn, Finnland, Kolumbien, Peru, Brasilien und Slowakei - dürften sehr unterschiedlich sein, und wer hat sich mit 17 /18 Jahren schon über das Staatswesen seines Landes vorher theoretische Gedanken gemacht? Auf einem Gang durch Teile des Gebäudes führte uns Prof. Broß zuerst in den Sitzungssaal vor den aus dem Fernsehen bekannten Richtertisch, wo schon alles für eine am nächsten Tag bevorstehende Urteilsverkündigung vorbereitet war. In einem kleinen Raum dahinter bekamen wir sogar die echten vorbereiteten schwer seidenen roten Richterroben, sowie den Spickzettel der Richter zu sehen. Der Spickzettel verrät den Richtern kurz vor dem Betreten des Sitzungssaals, wo sie sich hinsetzen müssen, da die Sitzverteilung variiert. Zum Abschluss unseres Besuches lernten wir noch den Leiter der nach dem Bundesgerichtshof größten juristischen Fachbibliothek Deutschlands kennen, sahen uns etwas um im elektronischen Katalog, erfuhren, dass das BVG ca. 1000 Abos auf Tageszeitungen und juristische Magazine hat und nahmen noch eine Nase voll des typischen juristischen Aktenstaubs von den Büchermagazinen im Untergeschoss mit hinaus in den sonnigen Frühlingsspätnachmittag. Bei Ulmers trafen sich die Austauschschüler anschließend noch zu Tischfußball und Kartoffelsuppe.